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Annette Gilbert studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Osteuropastudien und Publizistik in Berlin, Paris und Kazan‘ (Russland) und ist nach universitären Stationen in Sibirien, Moskau, Göttingen, Berlin, Boulder/Colorado und Mainz nun Akademische Direktorin am Department für Germanistik und Komparatistik der FAU.

Als Literaturwissenschaftlerin gilt ihr besonderes Interesse der Medialität und Materialität von Literatur und Phänomenen im Grenzbereich von Kunst und Literatur. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der avantgardistischen und experimentellen Literatur und Kunst Europas und Amerikas. Auch wenn sich diese künstlerischen Versuchsanordnungen eher in den Randgebieten der literarischen Praxis – manche sogar außerhalb dieser – bewegen, können sie als substantieller Beitrag zur literarischen Grundlagenforschung gelesen werden, fördern sie doch die unterschwelligen Voraussetzungen, aber auch die neuralgischen Punkte und widersprüchlichen Aspekte unseres Umgangs mit Literatur zutage. Auf diese Weise tragen sie zur Diskussion grundsätzlicher, literaturtheoretischer Fragestellungen bei, etwa zur Autorschaft, zum Werkbegriff, zum Literaturverständnis, zu Original und Kopie.

Darüber hinaus beschäftigt sie sich seit Jahren mit den historischen Veränderungen von Kulturtechniken sowie Publikations- und Distributionspraktiken. Hier spielen Fragen von Öffentlichkeit, Veröffentlichen, Zirkulation, Zensur, Subversion, Underground, Samizdat, Urheberrecht hinein, die auch für das Graduiertenkolleg von zentralem Interesse sind. Nach einem Forschungsprojekt zu künstlerischen Print-on-Demand-Publikationen mit Ausstellungen in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig (2023) und der Villa Stuck München (2024) leitet sie derzeit das DFG-Netzwerk „Das Wissen der digitalen Literatur“. Außerdem arbeitet sie zur Wikipedia als neuer Konsekrationsinstanz im literarischen Feld und zur studentischen Raubdruckbewegung der 1968er, die vor dem Hintergrund digitaler Schattenbibliotheken der Gegenwart (die sich auch in akademischen Kreisen großer Beliebtheit erfreuen) nichts an Relevanz verloren hat.

Ausgewählte Publikationen zum Thema Literatur und Öffentlichkeit:

  • Library of Artistic Print on Demand, https://apod.li/ (KatalogLibrary of Artistic Print on Demand. Post-Digital Publishing in Times of Platform Capitalism, zs. mit Andreas Bülhoff, Leipzig: Spector Books 2025.
  • Die weißen Räume der Literatur. Mediale Infrastrukturen als „vermachtete Arena“ literarischer Öffentlichkeit. In: Aida Bosch / Antje Kley (Hg.): Literatur und mediale Öffentlichkeiten. Orientierende Fallstudien. Metzler 2025, 25-47, https://doi.org/10.1007/978-3-662-69735-1_2.
  • <container class =“Artefakte der Avantgarden 1885-2015″>, zs. mit Cornelia Ortlieb, Andreas Bülhoff, Timo Sestu und Susanne Klimroth, Darmstadt: wbg 2023.
  • ‚Wikability‘. Über die Wikipedia als neue Konsekrationsinstanz im literarischen Feld. In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 67 (2023), 227–255, https://doi.org/10.46500/83535512-009.
  • Auchliteratur. Weichenstellung im Heute für die Philologie von Morgen. In: Deutsche Vierteljahresschrift 97:4 (2023), Themenheft Gegenwartsliteratur als Herausforderung des Literarischen, hg. von Carlos Spoerhase und Juliane Vogel, 1103–1114, https://doi.org/10.1007/s41245-023-00232-7.
  • Digitale Literatur II, zs. mit Hannes Bajohr, München: Text + Kritik. Sonderband, München: edition text+kritik im Richard Boorberg Verlag 2021.