Qualifikationsarbeiten

Projekte der Kollegiat*innen (Kohorte 1)

Dissertation

Publizität von Lyrik in der DDR: Die Lyrikreihe Poesiealbum (1967 bis 1989/90)

Das Poesiealbum kann als eine Erscheinung der sogenannten Lyrikwelle gelten, die mit dem berühmt gewordenen, von Stephan Hermlin initiierten Lyrikabend in der Akademie der Künste am 11. Dezember 1962 ihren Ausgang nahm. Neben Rezitation oder Performance setzt Publizität von Lyrik deren Veröffentlichung und Verbreitung im buchhändlerischen Sinne voraus. Die wiederum hingen von der Genehmigung durch die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur ab. Die Gutachten, die zu diesem Zweck verfasst wurden, begründen opportune Lesarten. Mit ihnen lässt sich der Diskurs um das poetisch Sagbare nachzeichnen und die Geschichte des Poesiealbums um eine Quellengattung ergänzen, deren systematische Analyse bisher ausgeblieben ist. Synchrone und diachrone Vergleiche etwa nach Herkunft oder Generation der Lyriker:innen sollen die Analyse differenzieren. Dabei ist das Vorgehen diskursanalytisch inspiriert und verbindet close mit distant reading diverser Quellen.

Dissertation

Madagassische Gegenwart im Fokus foto-literarischer Werke

In einem qualitativen Forschungsdesign untersucht Annette zeitgenössische Publikationen von madagassischen Fotograf*innen und Literat*innen. Diese kulturellen Artefakte der literarischen Produktion produzieren, archivieren und transportieren explitzite und implizite Formen gesellschaftlichen Wissens und schaffen im Kontext der sozioökonomischen, kulturellen und medialen Bedingungen Madagaskars einen spezifischen Diskursraum, der lokale und globale Öffentlichkeiten verbindet. So bietet die methodische Analyse und Interpretation dieser besonderen Ausdrucksform von Literatur die Chance, aktuelle Diskurse der madagassischen Öffentlichkeit für sich und in ihren globalen Verflechtungen zu verstehen, sowie die konkreten Entstehungs-, Produktions- und Distributionsbedingungen von Literatur in Madagaskar exemplarisch zu rekonstruieren. Die Forschungsmethodik kombiniert deshalb in einem iterativen Vorgehen ethnografische und interpretative Methoden empirischer, rekonstruktiver Sozialforschung auf der Grundlage wissenssoziologischer, praxistheoretischer und postkolonialer Theorie.

Dissertation

Zensursysteme im Vergleich: Brasilien und DDR

Henriques Projekt vergleicht die bürokratischen Strukturen der Zensur in der brasilianischen Militärdiktatur und der DDR. An den Beispielen Zero von Ignácio de Loyola Brandão und Rummelplatz von Werner Bräunig und den respektiven Zensurberichten und Begründungen, die in den jeweiligen Ämtern verfasst wurden, sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Zensursysteme in Brasilien und der DDR herausgearbeitet werden. Die begleitende Lektüre unzensierter, ebenfalls regimekritischer Werke wie Sargento Getúlio von João Ubaldo Ribeiro und Der geteilte Himmel von Christa Wolf sollen das Verständnis für das Verhältnis von Zensur und literarischer Öffentlichkeit vertiefen.

Dissertation

Die Aktionsgruppe Banat im Spannungsfeld von Literatur und Öffentlichkeit (1965–1984)

Das vorliegende Projekt macht es sich mit seinem Gegenstand der Aktionsgruppe Banat zur Aufgabe, aus literatursoziologischer und interkultureller Perspektive die Entstehungsbedingungen einer literarischen Gruppierung im sozialistischen Rumänien (1), die Produktion und Rezeption einer spezifischen Form der rumäniendeutschen Literatur in den 1960er bis 1980er Jahren (2) sowie die kulturhistorische Relevanz der dort verhandelten Konzepte von Autorschaft, Identitätskonstruktion und dem Verhältnis von Literatur und Öffentlichkeit (3) zu analysieren. Obwohl die Aktionsgruppe Banat nur in der kurzen Zeit von 1972 bis 1975 existierte – bevor sie von der Securitate aufgelöst wurde –, blieben die beteiligten Autoren, wie etwa Richard Wagner (*1952), Johann Lippet (*1951) oder Anton Sterbling (*1953), darüber hinaus relevante Stimmen im rumänisch-deutschen öffentlichen Diskurs. Dabei gilt es, philologische und textnahe Analysen der – vornehmlich in Form von Gedichten und Kurzprosa – entstandenen Literatur in Beziehung zu setzen mit Inszenierungsstrategien, intermedialen Experimenten und öffentlichkeitswirksamen Aktionen. Damit erweitert die Arbeit den Blick auf diese politisch brisante und literaturwissenschaftlich relevante Phase der deutschsprachigen Literatur Rumäniens in der Zeit nach 1945.

Dissertation

Jugoslawische Partisan:innenfilme im Kontext transnationaler Medienlandschaften – Ästhetik, Rezeption und Distribution

Die Arbeit hat den jugoslawischen Partisan:innenfilm der späten 1960er und frühen 1970er Jahre als Gegenstand der Untersuchung. Exemplarisch bilden hierfür die Filme „Die
Schlacht an der Neretva“ (1969), „Die fünfte Offensive – Kesselschlacht an der Sutjeska“ (1973) und „Einer ist Sarajevo“ (1972) das Korpus. Untersucht wird, inwiefern diese Filmtexte bzgl. Bild- und Formsprache transnationalen Aushandlungsprozessen unterlagen und wie diese Einschreibung wiederum zur Adressierung transnationaler Öffentlichkeit beigetragen hat. Die analytische Betrachtung fokussiert den Zeitraum 1969-1973; die transnationale Einflussnahme wird bereits ab 1946/1947 konstatiert und, als Referenz fungierend, in die Analyse integriert. Neben filmischen Texten werden außerfilmische Elemente wie Filmkritiken, Filmartikel, Filmplakate sowie gegenwärtige Phänomene der Distribution (DVD- und Blu-Ray- Veröffentlichungen) eingebunden.

Dissertation

Mediating Otherness in Cultural Discourse: the Planetary Posthuman Subject in Afrofuturist Science Fiction

Mein Projekt erforscht wie afrofuturistische Science-Fiction an kulturellen Diskursen zum Menschsein teilnimmt, indem sie Beispiele eines „planetary posthuman“ Subjekts kreiert, welche die Binaritäten, die auf den Diskursen von Rasse und „otherness“ aufgebaut sind, dekonstruieren. Dabei greift es auf die Forschung zu „posthumanist theory“ und das Konzept von Planetarität zurück, um ein Verständnis eines „planetary posthuman“ zu ermöglichen. Das Konzept des Cyborgs verkörpert eine posthumane Subjektivität mit einem planetaren Bewusstsein und verleiht diesem eine konkrete Form. Das Ziel ist es zu untersuchen, wie ein „afrofuturist planetary posthuman“ zum öffentlichen Diskurs und der kulturellen Entwicklung in den Vereinigten Staaten und Nordamerika beitragen kann. Dieses Projekt wählt ein intermediales methodologisches Vorgehen mit einer engen Textbindung und genauen Analyse der Hollywood Science-Fiction Filme, sowie der gegenwärtigen Science Fiction Literatur in der Form von Romanen und Comics.

Dissertation

Die deutschsprachige Beat-Literatur: Konstitution, Konstruktion und Konsekrierung

Ausgangspunkt des Promotionsvorhabens ist die von der deutschsprachigen Alternativszene selbst formulierte Feststellung, die ab 1968 ins Zirkulieren gebrachten Journale gehorchten einem inszenierten Chaos. Visuell werden vorsätzlich ungeordnete Seiteninhalte politischer, literarischer, religiöser Umwälzungen dieser Umbruchszeit dem Publikum in einer von thematischem Pluralismus und typographischer Heterogenität geprägten Seitengestaltung unterbreitet. Bunte, visuell wie inhaltlich überfrachtete Hefte liefern ein auf den ersten Blick unübersichtliches, im Bricolage-Stil kompiliertes Chaos. Genauer besehen erweist sich die scheinbare Willkür allerdings als diskursiv begründet, als Element strategischer Distinktion im zeitgenössischen Kulturbetrieb. Die inszenierte Heterogenität der Journale, die amateurhafte Anmutung ihrer Gestaltung, ihrer Produktion und Distribution, aber auch ihre ostinate Tendenz zur Vernetzung durch wechselseitige Zitation geben eine Eigenlogik zu erkennen, deren Funktionsweise, Wirkung und kulturgeschichtliche Verortung freizulegen sich mein Projekt zum Ziel gesetzt hat. Die Aufmerksamkeit gilt insbesondere der Netzwerkbildung zwischen vermeintlich nicht zusammengehörigen /-passenden U-Journalen. Synchron publizierte Journale wie Ulcus Molle Info (1969-1990), Gasolin 23 (1973-1986) und Boa Vista (1974-1983), konturieren je für sich, gerade aber auch in der perennierenden Interaktion untereinander, sowie im Austausch mit Romanen und Lyrik-Anthologien der transnationalen Underground-Szene, im Wechselspiel mit den kulturellen Artefakten der englischsprachigen Beatniks der 1950er und 60er Jahren, im Rekurs auf die Surrealisten und Dadaisten der Moderne, in der scharfen Abgrenzung gegenüber der high- und mid-culture ihr spezifisches Verständnis einer Literatur des/im Underground. Dieses rhizomartige Verweisnetzwerk, wie es sich etabliert, sich zu erkennen gibt, sich über sich selbst verständigt und sich abgrenzt, welche Lektüren es eröffnet, welche kulturpoetische Relevanz ihm zukommt, möchte die geplante Untersuchung mit den Mitteln einer kulturgeschichtlich ausgerichteten Medien- und Materialphilologie sichtbar machen, in der Fläche ebenso wie in Form von close-readings.

Dissertation

Whiteness as Usual? The Racial Politics of the 21st-Century Prize Novel

Das Projekt analysiert die anti-schwarzen diskriminatorischen Praktiken in den Auswahlverfahren dreier großer anglophoner Literaturpreise, sowie deren Auswirkungen auf die öffentliche Rezeption der preisgekrönten Literatur. Ich argumentiere, dass im 21. Jahrhundert die Zahl der preisgekrönten Romane zunimmt, die ein großes Potenzial haben, racial literacy in der US-amerikanischen Öffentlichkeit zu fördern, das jedoch noch nicht vollständig ausgeschöpft wird, da diese Texte innerhalb eines literarischen Feldes zirkulieren, dessen Dynamiken auf anti-schwarzer Diskriminierung beruhen. Ich folge Lani Guiniers Definition von racial literacy als der Fähigkeit, Rassismus als systemische und andauernde Bedingung in den USA mit verschiedenen Auswirkungen auf das Leben Einzelner zu verstehen und die Handlungsfähigkeit von rassifizierten Individuen in diesem Umfeld anzuerkennen (Guinier 100-115). Am Beispiel von sechs preisgekrönten Romanen, die zwischen 2000 und 2020 ausgezeichnet wurden, untersuche ich zunächst, inwieweit in diese Texte das Potenzial eingeschrieben ist, racial literacy zu transportieren. Anschließend werden die Bedingungen der Preisvergabe in den jeweiligen Jahren analysiert (z.B. Jurymitglieder, Autorenhintergrund, Informationen über die Nominierten, öffentliche Äußerungen zu den Auswahlkriterien), um die racial literacy der Romane mit ihrem institutionellen Kontext der Preise, und damit mit der sozialen Stratifizierung des literarischen Feldes, in Beziehung zu setzen. In einer abschließenden Rezeptionsanalyse der Romane als Preisträger in verschiedenen Medienkanälen versuche ich zu ermitteln, welchen Effekt die Preise auf die öffentliche Rezeption der Romane und ihrer racial literacy hatten.

Dissertation

Literarische Interventionen aus postmigrantischen Gegenöffentlichkeiten

Das Projekt befasst sich mit Strategien literarischer Intervention in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Ausgehend von einem pluralen Öffentlichkeitsbegriff und Ansätzen zum Postmigrantischen wird untersucht, wie literarische Texte dominante Narrative zu Migration, Rassismus und Zugehörigkeit irritieren, unterbrechen und neu verhandeln. Öffentlichkeiten werden dabei als plural und potenziell konflikthaft verstanden; die postmigrantische Gegenöffentlichkeit erscheint als Raum der Gegenpositionierung, Resonanz und Hörbarkeit marginalisierter Stimmen. Die Romane, Olivia Wenzels 1000 Serpentinen Angst, Shida Bazyars Drei Kameradinnen und Fatma Aydemirs Dschinns, deren Strategien literarischer Interventionen im Mittelpunkt des Analyseteils stehen, weisen narrative Strategien wie autofiktionale und subversive Erzählstimmen, Du-Erzählungen sowie literarische Archivierungspraktiken marginalisierter Geschichte(n) auf. Das Dissertationsprojekt versteht die gewählten Texte, die sich durch ihre kritische Adressierung einer deutschsprachigen Gegenwartskultur auszeichnen, als eine Form des interventionistisch-politischen Schreibens und damit als Teil eines Diskurses zwischen Literatur und Öffentlichkeit.

Dissertation

The AI Perspective: An Examination of Human and Artificial Co-Existence in North American SF Discourse

Das Dissertationsprojekt ist an der Schnittstelle von Literatur- und Kulturwissenschaft, kritischem Posthumanismus, Ethik der künstlichen Intelligenz, Philosophie des Geistes und Medienwissenschaft angesiedelt und untersucht, wie literarische, öffentliche und wissenschaftliche Diskurse differenzierte Verständnisse von KI abbilden. Sie untersucht, wie die Koexistenz von Menschen und KI in der zeitgenössischen Science Fiction-Literatur dargestellt wird und wie diese Darstellungen anthropozentrische Normen in Frage stellen, um dadurch einen eher posthumanistischen Ansatz zu verfolgen. Diese Untersuchung befasst sich mit Science-Fiction-Romanen, in denen verschiedene Formen von KI dargestellt werden, die anthropozentrische Vorstellungen von Wissen, Bewusstsein, Kommunikation, Rechten und Moral in Frage stellen, um zu zeigen, wie Literatur ein Medium für Debatten und eine Form der Erforschung verschiedener Ansätze zur Wissensgewinnung sein kann.

Habilitation

Kohletexte. Kohle als Energiequelle in der deutschsprachigen Literatur nach 1945

Die Klimakrise und die geforderte Energiewende prägen den gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Diskurs maßgeblich. In diesem Kontext rücken insbesondere Fragen zur Energieversorgung in den Mittelpunkt, weshalb die Wahl der verschiedenen Energiequellen und die darauf zurückzuführenden Auswirkungen auf die Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft intensiv besprochen werden. Deutlich ist dieser Wandel an der öffentlichen Rezeption der Energiequelle Kohle zu beobachten; schließlich wird kontrovers diskutiert, ob stillgelegte Kohlezechen wieder in Betrieb genommen werden sollen.
Auch die Literatur nimmt in diesen Diskussionen eine zentrale Stellung ein, setzt sich diese doch kritisch mit der Mensch-Umwelt-Beziehung auseinander und reflektiert über sozialgeschichtliche und kulturpolitische Fragestellungen. Diesen sozialen, ökonomischen und ökologischen Transformationsprozessen und den sich daraus entwickelnden Gegenwartskulturen widmet sich das Forschungsprojekt. Ziel ist es, im Anschluss an Forschungsbeiträge aus den Environmental und Energy Humanities, den Material Studies und dem Ecocriticism die Darstellung der Kohle als Energiequelle in der deutschsprachigen Literatur nach 1945 umfänglich zu untersuchen.

Dissertation

Kurzes Erzählen im 21. Jahrhundert – Entstehungsbedingungen und Aneignungspotenziale kurzer Erzählformen in der Gegenwart

Das Dissertationsprojekt macht es sich zur Aufgabe, die Entstehungsbedingungen und Aneignungspotenziale kurzer Erzählformen im 21. Jahrhundert quantitativ zu untersuchen. Hierfür wird zunächst das theoretische Verständnis dieser Formen ab 1945 fokussiert, die Verwendungen dieser Schreibweisen literaturhistorisch nachgezeichnet und gegenwärtigen Phänomenen in der Praxis nachgespürt. Aus diesen Betrachtungen von Theorie und Praxis werden Thesen zu den Entstehungsbedingungen und Aneignungspotenzialen kurzer Erzählformen deduktiv abgeleitet und zu empirisch überprüfbaren Hypothesen operationalisiert. Die anschließende empirische Hypothesenprüfung erfolgt auf Basis zweier Korpora. Das hierfür erstellte Datenkorpus versammelt Metadaten zu Büchern, Literaturzeitschriften, -wettbewerben und Social-Reading-Plattformen in deren Rahmen kurze Erzählformen im Beobachtungszeitraum (2008-2023) publiziert wurden. Dazu beinhaltet es Informationen zu den an der Entstehung bzw. Verbreitung beteiligten Personen und Körperschaften. Das Textkorpus umfasst 1.608 kurze Erzählformen, die in Artefakten publiziert wurden, welche im Datenkorpus enthalten sind. Die Auswahl der Texte erfolgte auf Basis verschiedener inhaltlicher und forschungsökonomischer Selektionskriterien. Je nach Passung werden die Hypothesen anhand statistischer Auswertungen des Datenkorpus oder statistisch-probabilistischer Auswertungen des Textkorpus (Topic Modeling) überprüft und die so erhaltenen Ergebnisse qualitativ eingeordnet sowie anhand ausgewählter Fallbeispiele vorgestellt.

Projekte der Kollegiat*innen (Kohorte 2)

Dissertation

Constructing Agency: Postmigrantisches Schreiben als Resonanzraum der Gegennarrative

Das Promotionsprojekt untersucht aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive, wie postmigrantisches Schreiben Handlungsmacht literarisch entwirft. Im Zentrum stehen narrative und ästhetische Strategien, die hegemoniale Diskurse sowie Macht- und Blickverhältnisse der Dominanzgesellschaft kritisch reflektieren, verschieben und neu konfigurieren. Besonderes Augenmerk gilt Gegennarrativen, die defizitorientierte Zuschreibungen dekonstruieren und alternative Subjektpositionen eröffnen. Das postmigrantische Schreiben wird dabei als literarischer Resonanzraum verstanden, ein Ort für Gegennarrative, in dem marginalisierte Perspektiven sichtbar werden und Handlungsmacht erfahrbar wird. Analysiert werden die Romane Identitti (2021) von Mithu Melanie Sanyal, Adas Raum (2021) von Sharon Dodua Otoo und Vatermal (2023) von Necati Öziri. Die Texte verhandeln politische Räume des Öffentlichen, Privaten und Gemeinschaftlichen und verschieben den Blick von statischen Identitätskategorien hin zu offenen Aushandlungsprozessen. Auf diese Weise formulieren die Texte ein Verständnis pluraler Gesellschaften und entwerfen ein literarisches „Wir“, das gesellschaftliche Vielfalt als Stärke begreift und sich aktiv in die Diskurs- und Denkkultur der Gegenwart einschreibt.

Dissertation

Ageing and Desire: Older Women in Contemporary Erotic Literature

Meine Dissertation untersucht, wie zeitgenössische Autorinnen Begehren, Intimität und Sexualität im fortgeschrittenen Lebensalter darstellen. Im Fokus stehen Erzählungen über ältere Frauen, bei denen ich analysiere, wie neuere Romane, Kurzgeschichten und Online-Erotik alternde Körper und die Neuentdeckung von Intimität repräsentieren. Diese Texte stellen die verbreitete Annahme infrage, Sexualität nehme mit dem Alter zwangsläufig ab, und entwerfen stattdessen ein Verständnis von erotischem Leben als einem Prozess, der sich im späteren Lebensalter verändern, intensivieren oder auf unerwartete Weise wiederaufleben kann. Durch die Verbindung literaturwissenschaftlicher Analyse mit Ansätzen der Rezeptionsforschung untersuche ich nicht nur, wie diese Texte alternde Körper und Intimität darstellen, sondern auch, wie sie Leserinnen dazu einladen, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen – etwa durch Empathie, Irritation oder Identifikation. Besonders interessiert mich, wie sowohl gedruckte als auch digitale Schreibformen Erfahrungen sichtbar machen, die häufig zum Schweigen gebracht oder marginalisiert werden, und dadurch neue Räume für Reflexion und Diskussion über Altern und Sexualität eröffnen.

Dissertation

Mitschreiben. Die schriftliche Dokumentation politischer Strafprozesse in der Bundesrepublik Deutschland und ihre Buchpublikationen

Die Dokumentation politischer Strafprozesse hat in Deutschland eine besondere Geschichte. Da diese von staatlicher Seite nicht oder nicht einheitlich aufgezeichnet werden, haben zu verschiedenen Zeiten Akteur:innen aus der Zivilgesellschaft eine Praxis angewandt, um doch eine Dokumentation der Geschehnisse einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen: Die Praxis des Mitschreibens. Beginnend mit dem ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1965) wurde immer wieder auf diese Kulturtechnik zurückgegriffen, um das gefährdete Wissen aus den Verhandlungen zu dokumentieren. Mit den Dokumentationen des NSU-Prozesses in München (2019), des sogenannten Lüneburger Auschwitz-Prozesses (2015) und des Prozesses nach dem Terroranschlag auf die Synagoge in Halle (2020) wird hier eine Tradition fortgeführt, die mit dem Auschwitz-Überlebenden Hermann Langbein und der Publikation seiner Mitschrift aus den Frankfurter Mammut-Prozessen beginnt. Dieses Dissertationsprojekt untersucht aus einer medien-, kulturwissenschaftlichen und soziologischen Perspektive das Phänomen der in Buchform publizierten Mitschriften über die zugehörige Praxis des Mitschreibens. Durch Rekonstruktion der Entstehungskontexte anhand von Archivmaterial und qualitativen Interviews einerseits und einem Close Reading der Texte anderseits soll ein möglichst umfassendes Bild dieser dokumentierenden Schreibpraxis entworfen werden. Obwohl dabei der Fokus auf der Schreib-Szene (Rüdiger Campe) bei Gericht liegt, werden dabei unter anderem sowohl die persönliche Haltung der Mitschreibenden als auch die Produktions- und Distributionsbedingungen der je fertigen Buchpublikationen einer Analyse unterzogen.

Dissertation

Aktuelle Herausforderungen für die Sicherung journalistischer und öffentlichkeitsrelevanter ethischer Prinzipien und Qualitätsstandards durch den Einsatz künstlicher Intelligenz aus der Perspektive von Medienschaffenden

Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Journalismus verändert die Auswahl, Erstellung und Distribution von Medieninhalten in einem rasanten Tempo. Unumstritten birgt diese Entwicklung großes Potenzial für eine etablierte Profession wie den Journalismus als entscheidendes (Teil-)system der Öffentlichkeit und das Arbeiten von Medienschaffenden im Speziellen. Jedoch kann dieses Potenzial ohne das Fundament von Glaubwürdigkeit auch schnell zum Risiko für Öffentlichkeit und Demokratie werden, denn Öffentlichkeit als sozial und kulturell hochwirksamer Verständigungs-, Aushandlungs- und Strukturveränderungen betreffender Faktor gesellschaftlichen Zusammenlebens ist essenziell für die demokratische Willensbildung innerhalb einer Gesellschaft. Der Einsatz von KI im Journalismus führt zu weiteren strukturellen Veränderungen unserer digitalen Medienöffentlichkeit und wird begleitet von Prozessen der Disintermediation und Re-Intermediation. Die Arbeit beleuchtet diese Entwicklungen näher und definiert praxisorientierte Regelungen, die aus der Perspektive von Medienschaffenden gelten müssen, um die Berücksichtigung ethischer Grundsätze im Rahmen des journalistisches Arbeitens sicherzustellen und dadurch einen verbindlichen Handlungsrahmen zu schaffen, der es ermöglicht qualitativ hochwertigen Journalismus als wichtiges Teilsystem der Gesellschaft zu praktizieren und damit den größtmöglichen Nutzen für die Öffentlichkeit zu erzielen.

Dissertation

Literatur als Resonanzraum. Zum Wechselbezug von Literatur und Öffentlichkeit in Frankreich am Beispiel von Michel Houellebecq und Virginie Despentes

Das Projekt zielt darauf, das Verhältnis von Literatur und Öffentlichkeit(en) in Frankreich zu untersuchen und geht dabei von der Prämisse eines Wechselbezugs aus. So wie der aktuelle französische Gegenwartsroman als Resonanzraum eines soziologisch attestierten Unbehagens, eines ‚malaise contemporain‘, angesehen werden kann, wirkt der literarische Diskurs resp. die Literarisierung eines problematisch gewordenen Weltverhältnisses auf die Öffentlichkeit zurück, wie dies am Beispiel sogenannter ‚Skandalautoren‘ augenfällig wird. Das geplante Forschungsvorhaben will beide Seiten dieses Wechselverhältnisses erforschen. Untersuchungsparadigmen sind dabei Michel Houellebecq und Virginie Despentes. In den Romanen beider Autoren ist eine Ebene der Gegenwarts- und Gesellschaftsdiagnose auszumachen, weshalb sie einer Tendenz des (Neo-)Realismus zugeordnet werden, der in der Nachfolge des Naturalismus Zolas und des Realismus Balzacs die Konflikte der gesellschaftlichen Gegenwart und Tendenzen des Zeitgeists zum Thema macht. Mithilfe literatursoziologischer, narratologischer und diskursanalytischer Perspektiven lässt das Projekt unter anderem über die Analyse von Narrativen bzw. Narrathemen in ihrer reziproken Rezeption in Literatur und Öffentlichkeit neue Aufschlüsse über Rückkopplungs-effekte zwischen Literatur und Gesellschaft erwarten.

Dissertation

  • bearbeitet von Eva Obier
  • Kohorte 2 (ab 2025)

S. Fischer Die Frau in der Gesellschaft: Eine Taschenbuchreihe der Frauenliteratur im Spiegel der neuen deutschen Frauenbewegung von 1975 – 1990

Das Projekt fokussiert die Taschenbuchreihe Die Frau in der Gesellschaft aus dem S. Fischer Verlag, welche ikonische Texte der neuen deutschen Frauenbewegung erstmalig dem deutschen Publikum zugänglich machte. So zeichnet das Projekt die Genese der populären Taschenbuchreihe nach und exploriert in exemplarischen Lektüren die Verbindung zur neuen deutschen Frauenbewegung.

Dissertation

Building Embodied Publics: A Multimodal Corpus Study of Corporeality and Audience Engagement in Poetry Slam

Poetry Slam ist eine populäre zeitgenössische Form öffentlicher Literatur, in der Texte nicht nur gelesen, sondern leiblich performt und kollektiv erlebt werden. Während Forschung zu Performance Poetry bislang hauptsächlich einzelne Texte, Performances oder Publika isoliert betrachtet, fehlt eine systematische Untersuchung des Zusammenspiels von Körperlichkeit, Performance und Publikumsbeteiligung auf größerer empirischer Grundlage. Das Dissertationsprojekt adressiert dieses Desiderat, indem es Poetry Slam als verkörperte öffentliche Literaturpraxis untersucht. Aufbauend auf einem bestehenden digitalen Korpus von über 3800 deutschsprachigen Poetry-Slam-Texten erweitert das Projekt dieses um audiovisuelle Performances, sowie Daten zur Publikumsrezeption. In einem multimodalen, Mixed-Methods Ansatz werden textuelle, performative und rezeptive Dimensionen gemeinsam analysiert, um zu untersuchen, wie körperlicher Ausdruck Bedeutungsbildung, Ko-Präsenz und affektive Öffentlichkeiten in Performance Poetry strukturiert.

Dissertation

Literary Engagement in the Digital Era: Understanding Reading Patterns and Communities on Databazeknih.cz

Die Dissertation untersucht die tschechische Social-Reading-Plattform Databazeknih.cz im Kontext der digitalen Literaturwelt. Digitale Leseplattformen haben die literarische Kultur verändert, weil Diskussionen heute oft online und interaktiv stattfinden, was mehr Beteiligung ermöglichen kann. Gleichzeitig stecken in diesen Plattformen oft kommerzielle Interessen und algorithmische Empfehlungen, die beeinflussen, welche Bücher entdeckt, besprochen und bewertet werden.
Die Studie konzentriert sich auf eine Plattform, die nicht aus dem englischsprachigen Raum stammt und keine Empfehlungssysteme nutzt. Sie untersucht, wie das Design der Seite und das Fehlen von Empfehlungen das Leseverhalten und die Vielfalt der Literatur beeinflussen. So wird gezeigt, dass Ergebnisse aus Studien über Goodreads nicht automatisch auf andere Plattformen übertragbar sind. Außerdem liefert die Arbeit einen Vergleich, wie Plattformdesign die digitale Literaturkultur, öffentliche Diskussionen und Lesepraktiken prägt.
Für die Untersuchung wird ein Mixed-Methods-Ansatz verwendet, der die Analyse der Benutzeroberfläche mit großem Datensammeln und Netzwerkanalyse kombiniert.

Dissertation

A Counterpublic of Care: Practices of Care in Contemporary Inuit and Sámi literature

Mit einem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Inuit und Sámi Literatur untersucht dieses Projekt ein Indigenes Konzept der Fürsorge. Es befasst sich damit, wie Praktiken der Fürsorge in literarischen Texten dargestellt werden, darunter zwischenmenschliche Fürsorge, sowie Fürsorge zwischen Menschen und Nicht-Menschen, mit einem Schwerpunkt auf der Umwelt. Das Projekt ist in der Arktis angesiedelt, da diese Region bereits stärker vom Klimawandel betroffen ist als die meisten anderen Regionen der Welt. In Anlehnung an Schultermandl et al. werde ich argumentieren, dass Inuit und Sámi Literatur durch affective worldmaking zur Bildung einer Indigenen Gegenöffentlichkeit beiträgt.

Dissertation

Differenzbasierte Distinktionen im literarischen Feld. Eine Mixed-Methods-Untersuchung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (2010-2025)

Die Dissertation untersucht die Funktion von Differenzbegriffen für die narrative Gestaltung von Literatur sowie für die Formation des literarischen Feldes der Gegenwartsliteratur. Das Forschungsdesign kombiniert daher quantitative und qualitative Verfahren in einem Mixed-Methods-Ansatz aus stilometrischer Netzwerkanalyse und hermeneutischer Textanalyse. Die Datengrundlage bildet ein Korpus von 168 Romanen, bestehend aus den Nominierten und Preisträger*innen des aspekte-Literaturpreises sowie des Deutschen Buchpreises im Zeitraum von 2010 bis 2025.

Dissertation

Institutional Poetics: Fiction and Poetry Creative Writing Programs as Sites of Power

Die Dissertation versteht Schreibinstitute an US-Amerikanischen Universitäten (Creative Writing Programs) als eigenständige Machtschauplätze innerhalb des dortigen Literaturfeldes. Dies bedeutet, dass die Schnittstellen zwischen soziopolitischen Identitäten (z. B. Geschlecht, Race und Klasse) und literarischem Wert die Schreibinstitute als eine hegemonial weiße Institution der kulturellen Elite enthüllen. Ein solches Verständnis ist fundamental, um die literarische Praxis zu untersuchen, die von der Kerninstitution US-amerikanischer Literaturproduktion vermittelt wird. Das Projekt untersucht dementsprechend, wie sich die sozialen Strukturen und Machtverhältnisse an der Universität auf den Unterricht, Studien- und Prüfungsleistungen, außeruniversitäre Aktivitäten und die literarischen Texte der aktuellen Studierenden und kanonisierter Absolvent*innen auswirken. Dabei fällt auf, dass die Schreibinstitute aufgrund ihrer Position innerhalb des Bourdieu’schen „Feldes der eingeschränkten Produktion“ des literarischen Feldes und ihrer Akzentuierung von literarischem Schreiben als lehr- und lernbares Handwerk Ansätze literarischer Praxis vermitteln, die zu einer Aversion gegenüber Genreliteratur und einer Präferenz artifiziell komplexer Textkonstrukte führen, die von formalen Experimenten, ständigen Wechseln von Zeit- und Erzählformen, sowie einer autopoetischen Reflexion über literarische Formen, Autor*innenschaft und die Schreibinstitute selbst gekennzeichnet sind. Diese Obsession mit literarischer Form sind dabei Ergebnis und Reproduktion spezifischer sozialer Regeln, die das Verständnis literarischen Wertes innerhalb des eingeschränkten literarischen Subfeldes prägen, und richtet sich in erster Linie an andere Literaturfachleute (z. B. Kritiker*innen und Verlage), denen damit signalisiert werden soll, dass Schreibstudierende Literatur produzieren, die Lob von Kritik und Feuilleton verdient.

Dissertation

Dissertationsprojekt: Neue Öffentlichkeiten schaffen. Kinder- und Jugendzeitschriften der Re-Education

Das Projekt fokussiert Kinder- und Jugendzeitschriften der deutschen Re-Education und somit der Jahre 1945–1949. Es stellt dabei die Frage, wie diese Zeitschriften, gerichtet an ein junges Publikum, dazu beitragen, eine neue demokratische Öffentlichkeit in Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus zu schaffen. Das Projekt erfordert gleichzeitig einen interdisziplinären Zugang, indem sich den Zeitschriften zum einen als Objekte der Kinder- und Jugendliteratur genähert werden soll, um damit dem hohen Grad an Zielgruppenorientierung gerecht zu werden. Es gilt also, die Vorstellungen und Konzepte von Kindheit und Jugend, aber auch von Bildungsfähigkeit zu erschließen, die den Zeitschriften der Re-Education inhärent sind. Hier bietet es sich an, die Zeitschriften auch als Akteure zu verstehen, die in der Umbruchzeit Kindheit und Jugend neu semantisieren, was im Projekt über einen theoretischen Anschluss an die neuere Forschung zu age / childhood als sozial und performativ konstruierte Kategorie geschehen soll. Zum anderen sollen die Zeitschriften dezidiert in ihrer Materialität untersucht werden. Die Arbeit knüpft hier an neuere Diskurse und Methoden der Zeitschriftenforschung an, wie etwa Madleen Podewskis Konzept der „kleine Archive“. Podewski plädiert dafür, eine Zeitschrift als kompaktes Artefakt und weniger als bloßen Text zu begreifen. Damit geht einher, dass ein Zeitschriftenheft oder -artikel kaum alleine Bedeutung generieren oder sogar repräsentativ für andere Zeitschriften sein kann. Deshalb sollen auch in diesem Projekt Zeitschriftenjahrgänge betrachtet werden, möglichst über einen längeren Zeitraum und im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Zeitschriften, da diese ebensolche Archive bilden.

Projekte der Assoziierten Doktorand*innen

Dissertation

(Counter)hegemonic Representations of Maleness and Masculinities in Contemporary North American Indigenous Literature

Chionas Projekt betrachtet literarische Texte nordamerikanischer indigener Autor*innen, die seit den 1960er Jahren veröffentlich worden sind. Sie analysiert, wie diese Texte Nordamerikas hetero cis-Patriarchat, seine Konstruktionen von Männlichkeit, problematisieren und Konzepte von Maskulinität erweitern und neu erdenken. Aufgrund dessen, dass Fragen nationaler indigener Identität und Sexualität/Geschlechtsidentität in der Öffentlichkeit oft als voneinander getrennte Themen verhandelt worden sind, verweisen die ausgewählten Texte auf die Notwendigkeit indigene Identität und ein diverses Verständnis von Geschlecht zusammen zu führen. Da Männlichkeiten besonders dann lesbar werden, wenn sie nicht von einer männlichen, heterosexuellen und körperlich gesunden cis-Person aus der Mittelschicht performiert werden, betrachtet das Projekt auch Konstruktionen queerer Männlichkeiten. Durch ein „reparatives“ Lesen der literarischen Texte treten die im Text angelegten reparativen Praxen besonders hervor. Daher fasst das Projekt Freude, Hoffnung, Humor und dekoloniale Liebe und Intimität als „radical embodied reparative practices of resurgence“.

Dissertation

‚I bet you think we’re a cult‘: Rethinking Alternative Religious Movements in US Literary Production since the 1980s

Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit der Darstellung und Verhandlung religiöser Randgruppierungen (new religious movements / „cults“) in US-amerikanischen literarischen Texten des 20. Und 21. Jahrhunderts. In Verbindung von literaturwissenschaftlicher Textarbeit und religionswissenschaftlicher Analyse soll erschlossen werden, inwiefern die literarische Bearbeitung alternativer religiöser Bewegungen öffentlichkeitswirksame Gesellschaftskritik übt und sich am Projekt des Neudenkens von Religion in einer postsäkularen Gesellschaft beteiligt. Ziel der Dissertation ist es die Diskurse des Forschungsfelds „Literatur und Religion“ mit einer einführenden Analyse in den literarischen Diskurs um religiöse Randgruppierungen zu bereichern und auf die Strategien zum Umgang mit Pluralität, die in den untersuchen literarischen Texten produziert werden, zu verweisen.

Dissertation

Friedrich Georg Jünger nach 1945: Publizität – Netzwerke – Rezeption

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Position und den Positionierungen des Lyrikers, Romanciers, Essayisten, Technik- und Kulturkritikers Friedrich Georg Jünger (1898-1977) im literarisch-kulturellen Feld nach 1945. Ziel ist zum einen die detaillierte Rekonstruktion der Prozesse und Praktiken, die dem einstigen ‚Konservativen Revolutionär‘ (Armin Mohler) seit der unmittelbaren Nachkriegszeit öffentliche Sichtbarkeit verschafften. Zum anderen werden die daraus resultierenden Effekte – wie Jüngers Publizität von verschiedenen Akteuren kontextualisiert, verhandelt oder bewertet wurde – analysiert. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei rechtskonservativen Intellektuellenmilieus und Gegenöffentlichkeiten, die für die Rezeptionsgeschichte Jüngers einen konstitutiven Einflussfaktor darstellen. Methodisch ist das Projekt an der Schnittstelle von Autorschafts-, Diskurs-, Feld- und Netzwerktheorie angesiedelt.

Dissertation

Blurred Boundaries: Internet, Authenticity, and the Individual in 21st-Century US Literature

In meiner Doktorarbeit untersuche ich, wie sich die US-amerikanische Literatur des 21. Jahrhunderts mit neuen Medientechnologien und deren Auswirkungen auf das Individuum und den Roman auseinandersetzt. Durch die Analyse der Literatur von Jennifer Egan, Ben Lerner und Lauren Oyler untersuche ich, wie diese Werke traditionelle Vorstellungen von Grenzen in Bezug auf Konzeptualisierungen von „Authentizität“ und Genre neu definieren: Grenzen zwischen Historie und Fiktion, physischen und virtuellen Räumen sowie öffentlichen und privaten Vorstellungen des Selbst. Trotz der Anzeichen von unscharfen Grenzen vermute ich, dass die Autoren den physischen Raum und die persönliche Kollaboration gegenüber virtuellen Räumen und Online-Diskursen bevorzugen. Schließlich möchte ich die Rolle des Romans in der Öffentlichkeit des 21. Jahrhunderts erforschen und vorschlage die analysierten Werke als demokratische Kontrapunkte zum steigenden Illiberalismus, der im Internet erkennbar ist.